Venture Valuation

Bewertungsmethoden

Um ein Unternehmen richtig zu bewerten, muss man es verstehen. Deshalb verfolgen wir einen gesamtheitlichen Bewertungsansatz, welcher in einem ersten Schritt eine Beurteilung und eine Risikoanalyse der Unternehmung beinhaltet. Basierend darauf berechnen wir den Unternehmenswert mit bis zu fünf unterschiedlichen Bewertungsverfahren.

Bei der Beurteilung der Unternehmung analysieren wir die sog. "weichen Faktoren" (Soft Factors). Diese können in folgende Bereiche gegliedert werden:

Um den Wert der Unternehmung möglichst exakt und objektiv zu ermitteln, verwenden wir einen Mix aus verschiedenen Bewertungsmethoden. Alle Verfahren eignen sich speziell zur Bewertung von Technologiefirmen mit starkem Wachstumspotential bzw. für Start-up Unternehmen aller Art. Nicht immer können alle Bewertungsmodelle eingesetzt werden. Dies variiert je nach Branche und Finanzierungsphase des Unternehmens.

Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten Methoden kurz vor. Dabei verwenden wir zahlreiche englische Fachbegriffe, welche in der Finanzbranche heute auch im deutschsprachigen Gebrauch zum Standard geworden sind.

Discounted Cash Flow (DCF)

Methode: Die "Discounted Cash Flow" Methode (oder kurz DCF) berechnet sich aufgrund der zukünftigen freien Cash Flows, welche von einer Firma oder einem Produkt in der Zukunft erwirtschaftet werden. Dabei werden diese Werte zum aktuellen Zeitpunkt abdiskontiert, zusammengezählt und so der heutige Wert (der sog. "Present Value") ermittelt.

Der hierfür verwendete Diskontsatz entspricht den durchschnittlichen Kapitalkosten (gewichtet nach Eigen- und Fremdkapital) bzw. zu englisch die "weighted average cost of capital" (WACC), in der folgenden Formel mit "r" bezeichnet:

DCF = Errechneter DCF Wert
CF = Cash Flow
r = Discount rate (WACC: Weighted average cost of capital)
 

Einsatz: DCF-Berechnungen eignen sich, um das Potential einer Investition zu ermitteln. Wenn der DCF-Wert höher als die investierte Summe ist, deutet dies auf eine sich lohnende Investition hin.

Risk adjusted NPV

Methode: Die "Risk Adjusted Net Present Value" Methode (oder kurz NPV) basiert auf dem gleichen Verfahren wie die DCF-Methode. Jedoch werden hier zusätzlich die zukünftigen Cash Flows mit ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Cash Flow effektiv eintritt, wird auch als "Success Rate" bezeichnet.

Einsatz: Die NPV-Methode wird allgemein zur Bewertung von einzelnen (in der Regel sich in Entwicklung befindenden) Produkten verwendet – dies speziell in der Biotech- und pharmazeutischen Industrie. Die Eintrittswahrscheinlichkeiten (Success Rates) können dabei anhand von vergleichbaren Projekten geschätzt werden. So berechnet man z.B. in der Biotechnologie die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt eines bestimmten Gebietes die nächste Entwicklungsphase (z.B. eine der klinischen Phasen I, II oder III) erreicht.

Auch bekannt als: rNPV, eNPV (e=estimated/expected)

Venture Capital Methode

Methode: Die Venture Capital Methode wiederspiegelt die Sichtweise von Investoren, welche mit einem Exit ihrer Portfolio-Unternehmen innert 3 bis 7 Jahren rechnen. Dabei wird ein möglicher Verkaufspreis der Investition (Exit Price) in der Zukunft geschätzt. Basierend darauf wird unter Berücksichtigung von Zeit und Risiko der Post-Money Wert zum aktuellen Zeitpunkt berechnet.

Mit dieser Berechnung kann schliesslich der "Return on Investment" der Investition unter Berücksichtigung des Risikos ermittelt werden.

Einsatz: Die Venture Capital Methode wird oft zur Bewertung von Firmen verwendet, welche noch keinen Umsatz erzielen.

Market Comparables

Methode: Die Market Comparables Methode schätzt einen Firmenwert aufgrund vergleichbarer Unternehmen (Konkurrenten), welche an einer Börse gelistet sind und für deren Aktien somit ein Marktpreis existiert.

Einsatz: Die Market Comparables Methode erlaubt eine schnelle Schätzung eines Unternehmenswertes aus Marktsicht. Die Werte werden mit Hilfe von Verhältnisgrössen z.B. basierend auf Gewinn-, Umsatz- oder Mitarbeiterzahlen berechnet.

Auch bekannt als: Multiples

Comparable Transactions

Methode: Die Comparable Transactions Methode ermöglicht die Berechnung einer Unternehmung auf Basis von vergleichbaren Finanztransaktionen. Dabei handelt es sich in der Regel um Merger & Acquisition Vorgänge (M&A) oder Finanzierungsrunden (Venture Capital / Private Equity). Die Berechnung erfolgt analog der "Market Comparables" anhand von Vergleichsgrössen im Bezug zum Transaktionspreis.

Einsatz: Sofern Informationen zu vergleichbaren Transaktionen verfügbar sind, gibt diese Methode Aufschluss zum Unternehmenswert basierend auf dem aktuellen Marktumfeld.

Decision Tree Analysis

Methode: "Decision Trees" (Entscheidungsbäume) ermöglichen die Schätzung zukünftiger Ergebnisse aufgrund der Gewichtung bestimmter, zukünftiger Entscheidungen.

Der Name der Methode stammt von dem typisch baumförmigen Diagramm, welches im Rahmen einer Decision Tree Bewertung erstellt wird. Jeder "Ast" stellt dabei eine mögliche Entscheidung dar.

Einsatz: Mit Hilfe von Entscheidungsbäumen können mögliche Optionen, Strategien und Entscheidungen graphisch dargestellt und deren Einfluss zur Zielerreichung ermittelt werden.

Mehr zum Thema Bewertungen und Bewertungsmethoden

Weitere Informationen über Bewertungsmethoden finden Sie im Venture Valuation Resource Center oder im Buch: Frei, P., Assessment and Valuation of high growth companies, Bern: Haupt Verlag, 2006 (auch erhältlich auf Amazon.de).